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Schröders Akademie

Kein Talent? Macht nichts. Es gibt eine andere Erfolgsgarantie!

Vor kurzem analysierte ich mit Friedrich, einem meiner ältesten Freunde, die Leistungen einiger Spieler unseres lokalen Fußball-Clubs aus der Bezirksliga, der gerade wieder einmal verloren hatte. „Er hat zu wenig Talent und wird es nie schaffen“, urteilte Friedrich über den Torwart und brachte mich damit „auf die Palme.“

Denn sein vernichtendes Urteil erinnerte ich mich an meine eigene Zeit als professioneller Leistungssportler. Es stimmt: Ich hatte es auf nationaler Ebene bis in die Tanzsport-Elite geschafft. Doch schon während dieser Zeit hatte ich nie den Eindruck, übermäßig talentiert zu sein. Im Gegenteil. Ich musste mir vieles unter Schweiß und Tränen hart erarbeiten. Dazu allerdings war ich bereit!

Naja, zurück zum Gespräch. Das, was mich jedes Mal aufs Neue ärgert, ist die Überschätzung der Bedeutung von Talent mit der Folge, dass vermeintlich Untalentierten oft keine Chance gegeben wird, sich zu beweisen. Meist gibt es dann Bemerkungen wie die von Friedrich. Ein Irrglaube, wie ich finde.

Dazu ein Beispiel: Rüdiger und Roland möchten gerne Lokomotivführer werden. Beide sind im gleichen Maße interessiert und begeistert von dieser Aussicht. Allerdings ist Rüdiger von Natur aus etwas langsamer in seiner Auffassungsgabe als Roland. Dieser lernt alles sehr schnell und kann sich Sachen wunderbar merken. Aus Sicht seiner Ausbilder ist er damit der Talentiertere von beiden.

Heißt das nun, dass Rüdiger für diesen Beruf nicht gemacht ist? Keineswegs. Es heißt zunächst nur, dass Rüdiger mehr Zeit und Mühe investieren muss als Roland. Er muss sich im Gegensatz zum talentierten Roland mehr mit den Hintergründen befassen, um zu verstehen, wie Technik und Abläufe funktionieren. Er wird sich mehr in diese Themen „reinknien“, und gerade weil ihm das Verständnis nicht zufliegt, wird er mehr Warum-Fragen stellen und nach Antworten suchen.

Es liegt auf der Hand, dass Rüdiger aus seiner Ausbildung trotz geringerer Begabung mit mehr Wissen hervorgeht als Roland. Zwar kann es sein, dass Roland die Prüfungen besser abschließt als Rüdiger. Aber im Laufe des Arbeitslebens wird Rüdiger seinen Weg mindestens so gut gehen wie Roland, weil er über ein besonders sicheres und tragfähiges Fundament verfügt, das auf tiefem Wissen basiert.

Obwohl ich selbst vielseitig interessiert und aktiv bin, würde ich mich in kaum einem dieser Bereiche als besonders talentiert bezeichnen. Ich vermute mal, dass Talent mir das Leben einfacher machen würde. Andererseits habe ich nicht den Eindruck, aufgrund mangelnden Talentes ein verpfuschtes Leben zu führen. Es hat sogar einen „Bonus“, wenn man über vergleichsweise wenig Talent verfügt: Wird ein Ziel unter großem Aufwand erst einmal erreicht, so ist die Freude und Befriedigung darüber weitaus größer als bei den Talentierten, denen Siege mühelos zufallen.

Doch es gibt noch einen anderen Aspekt, den mein Freund Friedrich übersieht: Ich erinnere mich an meine Zeit als Jugendlicher im örtlichen Fußballverein. Wirklich wahrgenommen wurde ich dort nie. Vielleicht lag das an meiner zurückhaltenden Art. Doch bis heute erinnere ich mich an ein Spiel, als wäre es gestern gewesen. In diesem Match hatte ich die undankbare Aufgabe, den besten Stürmer der gegnerischen Mannschaft zu „decken“. Dieser war bekannt dafür, Tore wie am Fließband zu schießen. Auch in diesem Spiel schoss er zwei Tore, aber erst, nachdem ich nach rund 70 Minuten völlig erschöpft ausgewechselt wurde. Gegen mich hatte er kein Tor erzielt. Aufgabe erfüllt. Ich war mächtig stolz, und auch meine Mitspieler klopften mir an diesem Tag auf die Schulter.

Aus dieser kleinen Episode folgt für mich, dass Glücksgefühle nach der Erreichung eines Zieles völlig unabhängig von der jeweiligen Liga-Zugehörigkeit und Talent sind. Die Emotionen in der Kreisklasse sind dieselben wie in der Champions League! Erfolg ist damit immer eine individuelle Bewertung und Ansichtssache.

Doch ich gehe noch einen Schritt weiter: Der „Trick“, mit dem man sich selbst ein gelungenes Leben garantiert, besteht darin, sich weitgehend von konventionellen, messbaren Erfolgskategorien zu verabschieden. In Esoterik-Kreisen hört man in diesem Zusammenhang oft die Empfehlung, einfach „dem Herzen zu folgen“. Da mag etwas dran sein. Doch ich selbst bevorzuge einen anderen Begriff: Hingabe! Damit meine ich, sich einem Ziel mit seiner Seele zu verschreiben. Wer so agiert, wird niemals scheitern. Denn die Früchte, die mit der Zeit geerntet werden dürfen, sind Charisma und eine Art persönlicher Magnetismus, die sich einstellen, wenn man unter allen Umständen und zum Preis, den es kostet, sich selbst und den eigenen Werten treu bleibt und dem inneren Ruf folgt.

Zur Person

Torsten Schröder ist Moderator (Radio, Messen, Veranstaltungen), Redner und Coach. Sein Expertenwissen in den Bereichen Business, Gesundheit und Sport gibt er in Seminaren, Ausbildungen und Coachings weiter