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Schröders Akademie

Vertrauen – wem kann man vertrauen?

Zum Thema Vertrauen gibt es sehr viele unterschiedliche Ansichten. Manche Menschen vertrauen fast jedem und gehen grundsätzlich zunächst einmal davon aus, dass sich der andere als vertrauenswürdig erweist.

Je nach vorherigen Erfahrungen fällt es vielen Menschen jedoch deutlich schwerer, ihr Misstrauen abzulegen und offen auf andere Menschen zuzugehen. Aber was ist eigentlich richtig? Wie wichtig ist Vertrauen für eine Beziehung? Und welche Erwartungen sind berechtigt?

Vertrauen ist eine Frage der inneren Einstellung

Jeder Mensch wurde bereits das eine oder andere Mal enttäuscht und hatte das Gefühl, dass das investierte Vertrauen fehl am Platz war. Nun bietet dies jedoch für die Zukunft zweierlei Herangehensweisen. Entweder wir halten unsere Beziehungen an der Oberfläche und gehen stetig davon aus, dass uns jemand hintergehen könnte oder wir versuchen, die Situation hinter uns zu lassen und mit Zuversicht in eine neue Begegnung hineinzugehen.

Wer sehr misstrauisch bleibt, entwickelt ganz automatisch eine Abneigung gegenüber anderen Menschen. Begegnungen gestalten sich sehr schwierig und Konflikte sind fast vorprogrammiert, da wir genau dies erwarten. Trotz der Angst, erneut hintergangen zu werden, solltest du neuen Begegnungen gegenüber stets aufgeschlossen sein und versuchen, dem anderen wenigstens etwas Vertrauen zu schenken.

Vertrauen auf beruflicher Ebene

Der berufliche sowie der private Bereich lassen sich nicht immer ganz einfach voneinander trennen. Dennoch ist es im beruflichen Kontext ratsam, etwas mehr darüber nachzudenken, welche Vorteile ein anderer von einer gewissen Situation hat und ob Vertrauen oder Misstrauen angebracht sind.

Langfristig ist es in beruflichen Bereich jedoch unumgänglich, Vertrauen aufzubauen. Es gilt, Aufgaben abzugeben und sich auf die sorgfältige Erledigung durch jemand anderen zu verlassen. Wer an dieser Stelle mit sehr viel Kontrolle arbeitet, belastet nicht nur das Verhältnis zu dem jeweiligen Angestellten, Team- oder Geschäftspartner, sondern investiert auch sehr viel Zeit.

Ein wirkungsvoller Mechanismus, um volle Kontrolle über die Arbeit eines anderen zu haben, existiert jedoch de facto nicht. Aufgrund der Komplexität solltest du daher bereit sein, Handlungen in die Hände Dritter zu übertragen und Verantwortung abzugeben. Selbst auf die Gefahr hin, in einem Fall enttäuscht zu werden, bist du in der Lage, sehr viel Zeit in andere Aufgaben zu stecken, die dich im Rahmen deiner beruflichen Karriere weiterbringen.

Vertrauen im privaten Bereich

Die Grundlagen der Vertrauensbasis im beruflichen Bereich sollten auch im Privaten gelten. Allerdings stellt sich hier weniger die Frage, inwieweit der andere einen Vorteil aus einer gewissen Situation zieht, sondern vielmehr danach, welchen immateriellen Wert dein Gegenüber in der Freundschaft oder Partnerschaft sieht.

Wenn du ein allzu kritisches Verhalten an den Tag legst und ständig darüber nachgrübelst, ob dich dein Partner hintergehen oder ein Freund im Stich lassen könnte, lässt sich niemals eine vertrauensvolle Basis aufbauen.

Auch wenn du dich bemühst, dein Misstrauen nicht zu zeigen, so verrät dich häufig deine Körpersprache in Form deiner Mimik und Gestik. Die Folge ist, dass die Freundschaft oder Partnerschaft an der Oberfläche bleibt. Ohne echtes Vertrauen sind tiefe Emotionen schlichtweg unmöglich. Selbst wenn dies bedeutet, möglicherweise einmal enttäuscht zu werden, ist es das Risiko wert.

Dies bedeutet keineswegs, dass blindlings jeder neuen Bekanntschaft Vertrauen entgegengebracht werden sollte. Im Rahmen einer neuen Beziehung lässt sich jedoch schrittweise immer mehr Vertrauen aufbauen. Vermeide am besten, sehr private Details direkt anzusprechen. Gib anderen jedoch auch die Möglichkeit, dich kennenzulernen, indem du wenigstens etwas von dir preisgibst.

Vorschnelle Urteile und nachtragendes Verhalten

Hast du bei einer neuen Begegnung das Gefühl, dass etwas seltsam ist und du demjenigen nicht vertrauen kannst, solltest du dies nicht unbedingt direkt beiseiteschieben. Das Unterbewusstsein orientiert sich automatisch an vergangenen Situationen und versucht, dich in Zukunft vor einer Enttäuschung oder einem Betrug zu bewahren.

Nicht immer hat unser Unterbewusstsein allerdings recht, wenn der erste Eindruck einer Person negativ ausfällt. Versuche daher stets, etwas entspannter an die neue Begegnung heranzugehen. Besonders, wenn du sehr häufig mit einem negativen Gefühl in eine neue Begegnung hineingehst, handelt es sich weniger um ein sinnvolles Maß an Misstrauen, sondern vielmehr um ein antrainiertes Verhalten, mit welchem du dir selbst im Weg stehst.

Gleiches gilt, wenn wir einen Vertrauensbruch erleben. Wurden wir versetzt? Ist die Beziehung gescheitert, weil ein Partner fremdgegangen ist? Nicht immer lässt sich eine Freundschaft oder eine Beziehung nach einem Vertrauensverlust retten, es hilft jedoch wenig, nachtragend zu sein und das Vertrauen für die Zukunft gänzlich zu entziehen.

Ist dies der Fall und lässt sich das Vertrauen nicht wieder aufbauen, ist eine Weiterführung der Beziehung nicht mehr sinnvoll. Also stellt sich die wichtigste Frage, was dir die Freundschaft oder Partnerschaft noch wert ist und inwieweit Vergebung eine Option für dich ist.

Vertrauen zu schenken birgt immer das Risiko einer Enttäuschung

Ständiges Misstrauen ist auf Dauer extrem anstrengend. Es belastet deinen Körper und lässt dich mit ständigen Zweifeln an dir selbst und anderen zurück. Auf der anderen Seite leidet dein seelisches Gleichgewicht selbstverständlich auch, wenn das geschenkte Vertrauen enttäuscht wird. Mit Enttäuschung umzugehen ist jedoch ein Teil unseres Lebens. Nur, wer lernt, über die Enttäuschung hinwegzukommen und weiterhin in der Lage ist, Vertrauen zu schenken, kann echtes Glück finden.

Letztlich gilt der Leitsatz, dass derjenige, der Vertrauen sucht, auch tatsächlich Vertrauen findet. Wer hingegen immer wieder an anderen zweifelt, verstärkt das Misstrauen und schadet sich damit langfristig nur selbst.

Kurze Tipps für einen vertrauensvollen Umgang im Alltag

  1. Geh offen in neue Begegnungen hinein und zeige ehrliches Interesse.

  2. Achte auf die Ausstrahlung deines Gegenübers. Wer der Lage ist, Augenkontakt zu halten, verdient eine Chance.

  3. Versuche, weitestgehend ehrlich zu sein. Du musst nicht alles von dir preisgeben, solltest jedoch zeigen, was sich hinter der Fassade verbirgt.

  4. Baue Vertrauen schrittweise auf. So lässt sich langsam mehr und mehr Verantwortung abgeben und übertragen.

  5. Lerne, über enttäuschtes Vertrauen hinwegzukommen und nicht neue Chancen aufgrund deiner negativ erlebten Vergangenheit zu verpassen.

  

Zur Person

Torsten Schröder ist Moderator (Radio, Messen, Veranstaltungen), Redner und Coach. Sein Expertenwissen in den Bereichen Business, Gesundheit und Sport gibt er in Seminaren, Ausbildungen und Coachings weiter